
Internationaler Kunstwettbewerb
Seit einigen Jahren setzt sich das Domkapitel mit der Frage nach einem angemessenen Umgang mit den zahlreichen Artefakten im Kölner Dom auseinander, die von erschreckender Judenfeindschaft zeugen. Nach einer umfassenden Erforschung und Kontextualisierung dieser Werke in Publikationen, Themenrundgängen und einer Ausstellung hat das Domkapitel im August 2023 einen Kunstwettbewerb für den Kölner Dom ausgelobt, dessen Ergebnis im April 2025 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Auf dieser Themenseite finden Sie alle Entwürfe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer inklusive des Siegerentwurfs sowie viele Hintergrundinformationen und alle Pressemitteilungen zum Wettbewerb.
Pressemitteilung vom 03.04.2025 zum Siegerentwurf
Die Wettbewerbsjury hat einstimmig die Umsetzung eines Entwurfs der Künstlerin Andrea Büttner empfohlen. Das Domkapitel hat sich die Wahl durch einstimmigen Beschluss zu eigen gemacht und eine Detailplanung zur Umsetzung des Werkes beauftragt. Die Pressemitteilung finden Sie hier.
Siegerentwurf

Ohne Titel
Andrea Büttner
Art der Intervention: Wandgemälde
Ort der Intervention: Marienkapelle, Stirnseite
Rubrik: Malerei
Medium und Material: Farbe
Der Entwurf von Andrea Büttner sieht ein Wandgemälde an der Stirnwand der Marienkapelle vor. Es soll über dem von Stefan Lochner im Jahr 1442 geschaffenen Altar der Stadtpatrone realisiert werden. Die geplante Wandmalerei soll das Steinfundament des Thoraschreins aus der ehemaligen mittelalterlichen Synagoge Kölns in Originalgröße zeigen (Länge ca. 211 cm, Höhe ca. 85 cm).
Der Altar von Lochner stand ursprünglich auf dem erweiterten Fundament des Thoraschreins in der ehemaligen Synagoge des mittelalterlichen jüdischen Viertels Kölns. Er ersetzte nach der Beschädigung des Schreins im Pogrom von 1349 und der Ausweisung der jüdischen Bevölkerung 1424 den Thoraschrein auf diesem Fundament an der Ostseite der Synagoge. Dies geschah, nachdem die Synagoge zur Ratskapelle umgewidmet worden war. Das geplante Kunstwerk verbindet die Geschichte des jüdischen Quartiers mit dem Dom. Es erzählt eine Geschichte von Fundament und Überformung.
Das Altarbild Lochners weist zwar keine antijudaistische Ikonografie auf, ist aber mit dem Pogrom und der Vertreibung verbunden und hat diese historischen Ereignisse künstlerisch überformt. Er ist ein christliches Kunstwerk, welches die jüdische Geschichte Kölns berührt. Das geplante Kunstwerk soll es auf unmittelbare Weise möglich machen, von der Ersetzung eines Thoraschreins durch einen christlichen Altar und der Präsenz jüdischen Lebens in Köln zu erzählen.
Die inhaltliche Verbindung von Verkündigungsdarstellung und Thora, von Flügelaltar und Schrein ist sowohl theologisch als auch formal bedeutsam: In beiden Fällen wird etwas Heiliges verborgen, geöffnet und geschlossen, mit Vorhängen versehen.
Ein Detail auf der Werktagsseite des Altars der Stadtpatrone zeigt eine Holzdecke (der Raum, in dem die Verkündigung an Maria stattfindet). Es ist eine Malerei, die auf Holz als Träger Holz darstellt. Ähnlich wird es darum gehen, auf Stein Stein zu malen. Die Malerei soll entweder auf einer Putzschicht oder auf einem geschlämmten Untergrund realisiert werden.
Ausgeführt in Secco-Technik soll die Wandmalerei einen direkten Bezug zur Steinmauer des Kölner Domes herstellen. Der Umraum des Thoraschreinfundaments wird in tiefem Schwarz gemalt, der Stein soll realistisch und auf Fernwirkung angelegt dargestellt werden. Es soll der Eindruck entstehen, dass das Bild des Fundaments, auf dem der Thoraschrein stand, über dem Altar schwebt.
Zur Person:
Andrea Büttner, geboren 1972 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Berlin und ist Professorin für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München. Sie nahm an der dOCUMENTA (13) und an den Biennalen von São Paulo 2010 und 2018 teil. Ihr Werk ist in vielen Sammlungen zu finden, etwa in der Tate Gallery of Modern Art, im Museo Reina Sofía in Madrid, im Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark, im Stedelijk Museum in Amsterdam, im Museum of Modern Art in New York, im Kunsthaus Zürich, im Lenbachhaus in München und im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt. Einzelausstellungen von ihr waren zu sehen in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K21) in Düsseldorf, im Kunstmuseum Basel, im Walker Art Center in Minneapolis, im Museum Ludwig in Köln und im Hammer Museum in Los Angeles. Sie stand auf der Shortlist für den Turner Prize 2017 und erhielt 2009 den Max Mara Art Prize for Women.
Finalisten
Weitere Künstlerinnen und Künstler
Ausstellung zum Wettbewerb
Im nördlichen Seitenschiff des Kölner Domes werden auf vier Ausstellungsstelen alle Wettbewerbsbeiträge vorgestellt, die innerhalb des „Internationalen Kunstwettbewerbs Kölner Dom“ eingereicht worden sind.
Die Stelen können vom 3. April bis zum 17. April 2025 außerhalb der liturgischen Zeiten besichtigt werden. Danach zieht die Ausstellung ins Foyer des DOMFORUMs um, wo sie vom 19. April bis zum 4. Mai 2025 zu sehen sein wird.
Eine kostenlose Broschüre zur Ausstellung finden Sie hier und sie ist an der Theke im Foyer des DOMFORUMs erhältlich.

Pressemitteilung vom 20.09.2024 zu den Finalisten
Zum Ende der ersten Wettbewerbsphase am 23. August 2024 haben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils einen Entwurf eingereicht. Am 19. September 2024 haben die Mitglieder der Wettbewerbs-Jury vier künstlerisch besonders überzeugende Umsetzungsideen ausgewählt. Sie sollen von den Finalisten in der Vertiefungsphase des Wettbewerbs konkretisiert werden. Die Pressemitteilung dazu finden Sie hier.
Auftakt-Kolloquium am 21.01.2024
Am 21. Januar 2024 waren 15 Künstlerinnen und Künstler, die zur Teilnahme am Internationalen Kunstwettbewerb Kölner Dom eingeladen worden sind, bei einem Auftakt-Kolloquium in Köln zu Gast. Einen Tag lang lernten sie den Dom und Mitglieder der Wettbewerbs-Jury kennen und hatten die Gelegenheit, Fragen zu den künstlerischen Erwartungen und zum Ablauf des Verfahrens zu stellen. Die Pressemitteilung dazu finden Sie hier.
Video zum Auftakt-Kolloquium
Pressemitteilung vom 11.12.2023 zu den TeilnehmerInnen
Am 11. Dezember 2023 hat das Kölner Domkapitel bekanntgegeben, welche Kunstschaffende die Einladung zur Teilnahme am Internationalen Kunstwettbewerb für den Kölner Dom bestätigt haben. Vermittelt worden sind die Kunstschaffenden von acht Kennerinnen und Kennern der internationalen Kunstszene, darunter Kuratorinnen und Kuratoren ebenso wie Kunstschaffende. Die Pressemitteilung dazu finden Sie hier.
Pressekonferenz am 15. August 2023 zum Start des Internationalen Kunstwettbewerbs Kölner Dom
Die Pressemitteilung zur Auftakt-Pressekonferenz des Wettbewerbs am 15. August 2023 finden Sie hier.
Video zur Auftakt-Pressekonferenz

Ausschreibung
Der Kunstwettbewerb wird vom Domkapitel als Einladungswettbewerb mit dialogischem Charakter ausgelobt. Er soll eine bewusste Genese, ein Prozess des Zuhörens, des gemeinsamen Ringens und Wachsens werden. Bewusst möchte das Domkapitel den noch zu findenden Künstlerinnen und Künstlern keine grundsätzlichen Grenzen setzen, wenn es um die räumlichen Gegebenheiten, die Ausmaße und die Materialität des zu schaffenden Werkes für den Kölner Dom geht. Teil des Wettbewerbs wird es sein, über die Aussage und die Verortung, die Beschaffenheit und den Charakter des neuen Kunstwerks sorgsam ins Gespräch zu kommen.
Hier finden Sie die aktuelle Fassung des Ausschreibungstextes.
Die englische Fassung des Ausschreibungstextes finden Sie hier.

Virtueller Themenrundgang
Der Kunstwettbewerb gehört zu einer Vielzahl von Maßnahmen, durch welche die antjüdischen Schmähplastiken im Kölner Dom in den vergangenen Jahren kontextualisiert worden sind. Die 2017 gegründete Arbeitsgruppe „Der Kölner Dom und ‚die Juden‘“ hat den Anstoß zu einer Reihe von Veranstaltungen, Publikationen, einer Ausstellung und speziellen Schulungen der Domführerinnen und – führer gegeben.
Auf der Basis der leicht gekürzten Texte der 2021 erschienenen Broschüre „Der Dom und ‚die Juden‘. Ein thematischer Rundgang“ ist 2023 ein digitaler Themenrundgang für die Webseite des Kölner Domes entwickelt worden.
Hier finden Sie diesen virtuellen Themenrundgang.
Den Themenrundgang in englischer Sprache finden Sie hier.
Aufsatz „Bildersturm im Dom zu Köln?“
Nach einer ersten Veranstaltung zur „Judensau“ im Chorgestühl (2002 in der Melanchthon-Akademie) widmeten die Dombauverwaltung und die Karl-Rahner-Akademie diesem Thema 2006 ein Kolloquium. Durch den Theologen Reinhard Hoeps wurde im Rahmen dieses Kolloquiums der Anstoß für die Beauftragung eines Kunstwerks gegeben:
„Der „bildlichen Struktur […] entspräche es, wenn die neuerliche Auseinandersetzung um das Thema Der Kölner Dom und ‚die Juden‘ […] wiederum in einem Bildwerk Ausdruck fände, dass auf der Höhe der künstlerischen Reflexion unserer Zeit steht und in der Lage ist, als Bereicherung des Imaginationsschatzes des Kölner Domes, den Deutungsprozess, welcher der Dom selbst ist, auf dem Feld einer drängenden Frage fortzuschreiben. Für die Kritik an Bildern im Kölner Dom sind kritische Bilder am besten geeignet.“ (Kölner Domblatt, 2008)
Den vollständigen Aufsatz, den man als ‚Initialzündung‘ für den Internationalen Kunstwettbewerb bezeichnen kann, finden Sie hier.

Broschüre „Der Dom und ‚die Juden‘“
Um die wichtigsten Ergebnisse des Kolloquiums auch einem breiten Publikum vorzustellen, ist 2021 im Kölner Domverlag die vom Metropolitankapitel der Hohen Domkirche herausgegebene Broschüre „Der Kölner Dom und ‚die Juden‘. Ein thematischer Rundgang“ erschienen.
Umfang: | 44 Seiten |
Ausstattung: | 47 Farbabbildungen, Broschüre, geheftet |
Extras: | ausklappbarer Lageplan zur Verortung der Kunstwerke |
Format: | 14,9 x 21 cm |
Auflage: | 2. erweiterte Auflage 2024 |
Artikel-Nr.: | ET-V031 |
ISBN: | 978-3-9823582-6-0 |
Hier können Sie die Broschüre im Kölner Domverlag bestellen.
