Sieger-Entwurf des Internationalen Kunstwettbewerbs Kölner Dom steht fest

Die Wettbewerbsjury hat einstimmig die Umsetzung eines Entwurfs der Künstlerin Andrea Büttner empfohlen. Das Domkapitel hat sich die Wahl durch einstimmigen Beschluss zu eigen gemacht und eine Detailplanung zur Umsetzung des Werkes beauftragt.

03.04.2025Von Markus Frädrich


Die Künstlerin

Andrea Büttner, geboren 1972 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Berlin und ist Professorin für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München. Sie nahm an der dOCUMENTA (13) und an den Biennalen von São Paulo 2010 und 2018 teil. Ihr Werk ist in vielen Sammlungen zu finden, etwa in der Tate Gallery of Modern Art, im Museo Reina Sofía in Madrid, im Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark, im Stedelijk Museum in Amsterdam, im Museum of Modern Art in New York, im Kunsthaus Zürich, im Lenbachhaus in München und im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt. Einzelausstellungen von ihr waren zu sehen in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K21) in Düsseldorf, im Kunstmuseum Basel, im Walker Art Center in Minneapolis, im Museum Ludwig in Köln und im Hammer Museum in Los Angeles. Sie stand auf der Shortlist für den Turner Prize 2017 und erhielt 2009 den Max Mara Art Prize for Women.

Die Künstlerin Andrea Büttner

Andrea Büttner bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Siegerentwurfs in Köln

Der Sieger-Entwurf

Der Entwurf von Andrea Büttner sieht ein Wandgemälde an der Stirnwand der Marienkapelle des Kölner Domes vor. Es soll über dem von Stefan Lochner im Jahr 1442 geschaffenen Altar der Stadtpatrone realisiert werden. Die geplante Wandmalerei soll das Steinfundament des Thoraschreins aus der ehemaligen mittelalterlichen Synagoge Kölns in Originalgröße zeigen (Länge ca. 211 cm, Höhe ca. 85 cm). 

Der Altar von Lochner wurde ursprünglich für die Ratskapelle St. Maria in Jerusalem am historischen Rathaus geschaffen, die 1424 nach der Ausweisung der jüdischen Bevölkerung ein Jahr zuvor anstelle der Synagoge realisiert wurde. Er stand ursprünglich auf dem erweiterten Fundament des Thoraschreins in der ehemaligen Synagoge des mittelalterlichen jüdischen Viertels Kölns und ersetzte den Schrein nach dessen Beschädigung im Pogrom 1349 und der Umwidmung der Synagoge zur Ratskapelle. 

Das geplante Kunstwerk verbindet die Geschichte des jüdischen Quartiers mit dem Dom. Es erzählt eine Geschichte von Fundament und Überformung. Der Altar der Stadtpatrone ist ein christliches Kunstwerk, welches die jüdische Geschichte Kölns berührt. Das geplante Kunstwerk stellt sich dieser Unsichtbarmachung und Überformung jüdischen Lebens und jüdischer Geschichte entgegen, indem es von der Ersetzung eines Thoraschreins durch einen christlichen Altar und der Präsenz jüdischen Lebens in Köln erzählt.

Visualisierung des künftigen Wandbilds für die Marienkapelle des Kölner Domes

Die inhaltliche Verbindung von Verkündigungsdarstellung und Thora, von Flügelaltar und Schrein ist sowohl theologisch als auch formal bedeutsam: In beiden Fällen wird etwas Heiliges verborgen, geöffnet und geschlossen, mit Vorhängen versehen.

Ein Detail auf der Werktagsseite des Altars der Stadtpatrone zeigt eine Holzdecke (der Raum, in dem die Verkündigung an Maria stattfindet). Es ist eine Malerei, die auf Holz als Träger Holz darstellt. Ähnlich wird es darum gehen, auf Stein Stein zu malen. Die Malerei soll entweder auf einer Putzschicht oder auf einem geschlämmten Untergrund realisiert werden. 

Ausgeführt in Secco-Technik soll die Wandmalerei einen direkten Bezug zur Steinmauer des Kölner Domes herstellen. Der Umraum des Thoraschreinfundaments wird in tiefem Schwarz gemalt, der Stein soll realistisch und auf Fernwirkung angelegt dargestellt werden. Es soll der Eindruck entstehen, dass das Bild des Fundaments, auf dem der Thoraschrein stand, über dem Altar schwebt.

Skizze der Künstlerin zur Anordnung des Gemäldes über dem Altar

Statement der Künstlerin

„Der Kölner Dom ist eines der ganz großen europäischen Kulturdenkmäler und spiegelt viele damit einhergehenden Konflikte wider“, sagt Andrea Büttner. „So auch die christlich-jüdische Beziehungsgeschichte, den christlichen Antijudaismus und den damit verbundenen modernen Antisemitismus. Es ist eine Herausforderung, diesem Denkmal ein neues Kunstwerk hinzuzufügen. Das Kunstwerk wird auf den bisher verborgenen Zusammenhang zwischen einer zerstörten Synagoge aus Köln und einem Altar hinweisen.“ 

Die Arbeit versuche nicht, die zahlreichen christlich-jüdischen und oder antisemitischen oder antijudaistischen Elemente des Kölner Doms kommentierend erträglicher zu machen, so Büttner weiter. „Dies wäre mit künstlerischen Mitteln nicht zu leisten. Dagegen werde ich ein Kunstwerk schaffen, das an einem zentralen Punkt etwas offenlegt, was den Besucherinnen und Besuchern des Domes bisher verborgen geblieben ist. Ich freue mich sehr, dass die Jury mir die Gelegenheit gibt, diese Arbeit umzusetzen.“

Andrea Büttner vor einer Ausstellungsstele mit ihrem Entwurf im Kölner Dom

Würdigung durch die Jury

Die Jury-Vorsitzende Prof. Andrea Wandel würdigte das Kunstwerk von Andrea Büttner als visuellen „Einschlag“. Es fordere die Betrachtenden nicht nur visuell heraus, sondern auch intellektuell. Die Darstellung des „schwebenden Steines“ bringe eine zum Nachdenken anregende Ambivalenz ins Bild.

„Andrea Büttners Kunstwerk stellt sich auf präzise Weise der Kontextualität des Ortes“, führt die Jury-Vorsitzende aus. „In der Stadt Köln, die jüdisches Leben seit 321 ersterwähnt, wurde die jüdisch-christliche Nachbarschaft u.a. durch die Zerstörung der Synagoge und ihre ‚Umwidmung‘ in die Ratskapelle brutal überschrieben, begraben und verdrängt. Indem die Künstlerin das Werk visuell untrennbar mit dem Altar der Stadtpatrone im Dom verknüpft, macht sie komplexe historische und theologische Zusammenhänge sichtbar. Sie markiert das bedeutende Werk von Stefan Lochner, legt den mit dem Auftrag des Stadtrates verbundenen politischen Akt offen und hinterfragt ihn.“

Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung des Siegerentwurfs

Die Wandmalerei als schwebende Über-Ordnung des ausgegrabenen Steinfundamentes (des Thoraschreines) eröffne einen Dialog mit dem Altarbild. Theologisch gesprochen werde der Wahrheitsraum christlichen Sprechens und Betens mit dem vor- und übergeordneten Fundament auf seine Basis zurückgeführt.

„Das Kunstwerk wird auch in seiner Materialität und handwerklichen Technik im Dom beheimatet sein“, so Wandel weiter. „Es drängt sich nicht als Fremdkörper hinein, sondern korrespondiert mit den zahlreich vorhandenen Wandmalereien. Die eingereichte Musterfläche der Malerei auf Stein überzeugt durch ihre illusionistische Räumlichkeit und die gleichzeitig realistische Darstellung des Fundamentes. Technik und Motiv verbinden sich mit der Architektur, schreiben sich im erhaltenen Teil des mittelalterlichen Doms in die Tiefe ein und schreiben sie fort.“

Die dominierende Farbe „Schwarz“ schaffe einen malerischen Hintergrund und einen Tiefenraum. Emotional öffne sie verschiedene Gefühlsräume, lade zur „Compassion“ ein. Sie sei sie einerseits in die Vergangenheit des jüdisch-christlichen Verhältnisses in Köln gerichtet, könne aber auch einen neuen Raum der Verbindung schaffen.“

Rückführung des mittelalterlichen Toraschreinfundaments 2020 innerhalb der Verwirklichung des Projekts "MiQua"

Bestätigung des Jury-Votums durch das Domkapitel

„Das Domkapitel hat sich der Überzeugung der Jury angeschlossen, dass es sich bei der Arbeit von Andrea Büttner um einen herausragenden künstlerischen Beitrag handelt“, so Dompropst Msgr. Guido Assmann. „Mit seiner visuellen Präsenz und Radikalität nimmt das Werk aus unserer Sicht auf sehr konzentrierte Weise einen Dialog mit den vielen antijüdischen Artefakten im Dom auf. Der Prozess der Aufarbeitung dieser antijüdischen

Artefakte im Kölner Dom wird durch dieses Werk nicht als abgeschlossen oder geheilt verklärt. Es lädt konstant und mahnend ein, dass wir uns exemplarisch mit der Geschichte dieses Fundaments, seiner Überformung und Neu-Positionierung auseinandersetzen – und am christlich-jüdischen Verhältnis generell arbeiten. Auch im jüdisch-christlichen Dialog in Gegenwart und Zukunft ist manches noch – gleichsam der Darstellung im Wandbild – ‚in der Schwebe‘, kreist die Frage um die Bedeutung des Fundaments.“

Das Domkapitel habe die Dombauhütte in Abstimmung mit der Künstlerin mit einer Detailplanung zur Umsetzung des Werkes beauftragt. Zu ihr gehöre auch die Präzisierung eines Zeit- und Kostenrahmens. Man gehe aktuell von Umsetzungskosten in fünfstelliger Höhe aus.

Ein besonderes Anliegen sei es ihm, so der Dompropst weiter, noch einmal allen Teilnehmerinnen und Teilnehmerinnen des Wettbewerbs für ihre Beiträge und ihre tiefgehende Auseinandersetzung mit der Thematik zu danken. „Ebenso dankbar ist das Domkapitel der Synagogen-Gemeinde Köln, der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der christlich-jüdisch besetzten Projektgruppe, die den Kunstwettbewerb begleitet hat“, so Assmann. „Sie alle haben dazu beigetragen, die fortdauernde Aufarbeitung der antijüdischen Artefakte im Kölner Dom und den Wettbewerb als Prozess des Gemeinsamen Ringens, Abwägens und Wachsens zu prägen. Stellvertretend für die Jury danke ich ihrer Vorsitzenden Prof. Andrea Wandel für ihr Engagement und ihre Expertise, dem verfahrensbegleitenden Architektenbüro neubig hubacher und allen, die uns bei unserem Vorhaben unterstützt haben, aus der Perspektive der Kunst den Blick auf das christlich-jüdische Verhältnis zu weiten.“

Rückführung des mittelalterlichen Toraschreinfundaments 2020 innerhalb der Verwirklichung des Projekts "MiQua"

Stimmen aus der Jury

Dr. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museums Ludwig in Köln:

„Mit Andrea Büttner konnte eine international renommierte Künstlerin gewonnen werden, ein neues Kunstwerk speziell für den Kölner Dom zu entwickeln. Ihr Interesse an Religionen und den damit verbundenen Lebensformen schlägt sich bereits in einigen ihrer früheren Arbeiten nieder. So beschäftigt sie sich in ihrem Film Little Works aus dem Jahr 2007 und auch in ihrem 2012 für die documenta 13 entstandener Film Little Sisters. Lunapark Ostia mit alternativen Lebensformen, wie sie in verschiedenen religiösen Gemeinschaften zu finden sind. 

Dabei stehen diese Fragen stets in einem größeren gesellschaftlichen und kulturhistorischen Zusammenhang und wurden von Andrea Büttner auch in Publikationen theoretisch und mit Mitteln der Kunst reflektiert. Beispiele hierfür sind ihr Buch Shame, in dem sie Kunst als eine >>Arena der Scham<< beschreibt oder die anlässlich ihrer Ausstellung im Museum Ludwig 2014 von Andrea Büttner herausgegebene erstmals mit ausgewählten Abbildungen versehenen Fassung von Immanuel Kants berühmter Schrift Kritik der Urteilskraft.

Ein wichtiges Thema von Andrea Büttner ist die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischer und rechtsradikaler Ästhetik, Haltung und Esoterik. So organisierte sie im Gropius Bau in Berlin einen Workshop mit dem Titel „Against Healing“ (2022) zu Rechtsradikalismus und Ökologiebewegung. Dieser fand in einem Ausstellungsraum statt, in dem sie ihre fotografische Arbeit zu den Überresten der Plantagen im ehemaligen KZ Dachau zeigte, in welcher von der SS biodynamische Forschung betrieben worden war.

Bei aller Vielfalt der von Andrea Büttner reflektierten Themen und verwendeten Ausdrucksformen eint ihr Werk ein großes Maß an konzeptueller Stringenz bei gleichzeitiger hoher sinnlicher Präsenz.“

Andrea Büttner vor einer Ausstellungsstele mit ihrem Entwurf im Kölner Dom

Dr. Stefan Kraus, Leiter des Kolumba Kunstmuseums des Erzbistums Köln:

„Die für die Marienkapelle des Kölner Domes geplante Wandmalerei fügt sich harmonisch in den Kirchenraum ein und verbindet sich organisch mit der Architektur, ohne als eigenständiges Objekt Raum zu greifen. Indem die schlanken Dienste der gotischen Wandgliederung über das Bild ‚hinweglaufen‘, wird auf der einen Seite die Gestaltung in seiner Plastizität erhalten und sogar betont, auf der anderen Seite bewirkt diese Überschneidung eine räumliche Tiefenwirkung für das Wandbild, die dem Betrachtenden einen zeitlosen Raum vorführt, in dem auch das Abbild des steinernen Fragmentes des Thoraschreins der diesseitigen Welt entrückt wird.“

Der "Altar der Stadtpatrone" in der Marienkapelle des Kölner Domes stand ursprünglich in der Ratskapelle - auf dem erweiterten Toraschreinfundament des vorherigen Synagogenbaus

Weihbischof Rolf Steinhäuser, Domkapitular und Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln:

„An keinem anderen Ort des Domes werden so viele Gottesdienst gefeiert wie in der Marienkapelle. Das Domradio und kooperierende Fernsehsender übertragen die werktägliche Hl. Messe um 8 Uhr im ganzen deutschen Sprachraum. Bis zu 25 000 Menschen feiern jeden Tag diesen Gottesdienst an ihren Empfangsgeräten mit. Unzähligen Menschen ist das Lochner-Bild dadurch sehr vertraut. Das Kunstwerk von Andrea Büttner will mitten in diesem lebendigen liturgischen Alltag die Verdeckung und Überformung jüdischer Spiritualität durch christliche Spiritualität aufgreifen. Auf die Steinwand hinter und oberhalb des Altars der Stadtpatrone will sie in Originalgröße das Steinfundament des Thoraschreines malen. Damit macht sie schmerzliche Zusammenhänge unübersehbar deutlich. Der Eingriff Andrea Büttners verändert die Optik dramatisch. Der Dom und die Stadt stellen sich zu dem großen Unrecht, das den jüdischen Mitmenschen zugefügt wurde. Judenpogrom und Vertreibung werden durch dieses Denkmal dauerhaft erinnert.  Gleichzeitig wird das, was in der Erde verborgen war, manifest: Thoraschrein und Altarbild ruhen auf dem gleichen Fundament. Das ist der Glaube an den einen Gott, der Israel erwählt hat und einen Bund mit diesem Volk geschlossen hat, der nie gekündigt worden ist.“

Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung des Siegerentwurfs

Abraham Lehrer, Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland:

„Das Wandbild macht einen neuralgischen Punkt im jüdisch-christlichen Verhältnis sichtbar, zeigt eine offene Wunde in diesen Beziehungen und lässt den Altar der Stadtpatrone auch als Zeugnis beschämender christlicher Machtinteressen erkennen. Der Eingriff der Künstlerin spiegelt das jüdisch-christliche Verhältnis auf subtile Weise: Er reflektiert die Stadtgeschichte hinsichtlich des belasteten Verhältnisses und zeigt beispielhaft eine tiefe Verletzung. Der analytische Blick auf die ortsspezifische Geschichte weitet sich in die aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen. Andrea Büttner eröffnet mit der konzipierten Wandmalerei in der Marienkapelle des Kölner Domes im Kontext des Altares der Stadtpatrone einen Denkraum zur permanenten Befragung des jüdisch-christlichen Verhältnisses in Gegenwart und Zukunft.“

Die gegenwärtige Gestaltung der Marienkapelle des Kölner Domes

Dombaumeister Peter Füssenich:

„Die von Andrea Büttner eindrucksvoll geplante Wandmalerei ist ein denkmalverträglicher Eingriff in die Raumwirkung und Atmosphäre der Marienkapelle. Beide vorgeschlagenen Umsetzungsvarianten – Malerei über einem Putzträger oder über einem geschlämmten Untergrund – sind denkbar. Die etwas gröbere Oberflächenstruktur bei der Umsetzungsvariante mit dem geschlämmten Untergrund verstärkt von Weitem den Kontrast zum gemalten Fundament. Die räumliche Dimension der Arbeit kommt hierdurch besonders gut zum Ausdruck. Bevor die Umsetzung der Malerei beginnen kann, müssen an der Wand Fragmente einer Wandmalerei aus dem 13. Jahrhundert konservatorisch gesichert werden. Deshalb ist ein Beginn der Umsetzung frühestens im neuen Jahr möglich.“

Materialprobe zum Farbauftrag mit pigmentierter Schlämme und Spinellschwarz auf Trachytstein

Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit:

„Eine Sensation!  Judentum und Christentum auf Augenhöhe im Kölner Dom. Dank und Anerkennung für einen mutigen Schritt nach Jahrhunderten der Diffamierung und Ausgrenzung. Dass mit dem Kunstwerk ein Bogen zum jüdischen Köln und dem in der Entstehung begriffenen Museum MiQua hergestellt wird, ist sinnstiftend und wird weltweit für Aufmerksamkeit sorgen.“

Die Marienkapelle des Kölner Domes im 19. Jahrhundert

Der Internationale Kunstwettbewerb Kölner Dom: Genese und Verfahren

Seit einigen Jahren setzt sich das Kölner Domkapitel mit der Frage nach einem angemessenen Umgang mit den zahlreichen Artefakten im Kölner Dom auseinander, die von erschreckender Judenfeindschaft zeugen. Zunächst wurden diese Artefakte erforscht und kontextualisiert – in Publikationen, einer Ausstellung und Themenrundgängen. Im August 2023 hat das Domkapitel einen Wettbewerb für ein neues Kunstwerk für den Kölner Dom ausgelobt. Dieses soll im Bewusstsein der christlich-jüdischen Geschichte den Blick auf Gegenwart und Zukunft richten.

Im Dezember 2023 gab das Domkapitel die Namen der 15 Kunstschaffenden bekannt, die zuvor die Einladung zur Teilnahme am Internationalen Kunstwettbewerb für den Kölner Dom bestätigt hatten.

Bei einem Auftakt-Kolloquium zum Wettbewerb im Januar 2024 lernten die Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmer den Dom und die Wettbewerbsjury kennen. Neben den organisatorischen Abläufen des Verfahrens wurden beim Kolloquium vor allem die künstlerischen Erwartungen an die Wettbewerbsbeiträge erläutert. Gesucht werde nach einem dauerhaften neuen Werk für den Kölner Dom, das dessen Eigenschaft als Sakralraum und dessen Stellenwert als Bischofskirche respektiert. Ferner gelte es, das Werk mit dem Denkmalschutz und dem Status des Domes als Weltkulturerbestätte in Einklang zu bringen. Die Verortung des neuen Kunstwerks im Dom gehörte zur Wettbewerbsaufgabe.

Bis Mitte August 2024 hatten die Künstlerinnen und Künstler Zeit, ihre Ideen auszuarbeiten. Am 19. September 2024 hat die Wettbewerbsjury unter dem Vorsitz der Saarbrücker Architektin Prof. Andrea Wandel aus den 15 eingegangenen Entwürfen vier besonders überzeugende Umsetzungsideen ausgewählt. Bis zum 4. Februar 2025 hatten die Finalisten in der sogenannten Vertiefungsphase des Wettbewerbs Gelegenheit, ihre Arbeit weiterzuentwickeln. Am 20. März 2025 hat die Jury den Siegerentwurf gekürt und dem Kölner Domkapitel zur Umsetzung empfohlen.

Ausstellung zum Wettbewerb

„Im nördlichen Seitenschiff des Kölner Domes werden auf vier Ausstellungsstelen alle Wettbewerbsbeiträge vorgestellt, die innerhalb des „Internationalen Kunstwettbewerbs Kölner Dom“ eingereicht worden sind.

Die Stelen können vom 3. April bis zum 17. April 2025 außerhalb der liturgischen Zeiten besichtigt werden. Danach zieht die Ausstellung ins Foyer des DOMFORUMs um, wo sie vom 19. April bis zum 4. Mai 2025 zu sehen sein wird.

Eine kostenlose Broschüre zur Ausstellung ist im Foyer des DOMFORUMs erhältlich.

Ausstellungsstelen im Kölner Dom zu den Entwürfen innerhalb des Kunstwettbewerbs

Veranstaltungshinweis

Am Dienstag, 29. April 2025, findet um 18:00 Uhr im DOMFORUM eine Diskussionsveranstaltung zum Thema: "Ein neues Kunstwerk zum christlich-jüdischen Verhältnis für den Kölner Dom" statt. 

An diesem Abend wird der Siegerentwurf mit Vertreterinnen und Vertreter der Wettbewerbsjury aus jüdisch-christlich theologischer, künstlerischer und kuratorischer Perspektive eingeordnet und diskutiert. 

Moderation: Ina Rottscheidt, Journalistin, DOMRADIO

Der Eintritt beträgt 8 Euro / ermäßigt 6 Euro

Um Anmeldung wird gebeten

Veranstalter: Katholisches Bildungswerk Köln sowie Kölnische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Kooperation mit Synagogen-Gemeinde Köln, Kölner Domkapitel, Melanchthon Akademie Köln, Karl Rahner Akademie Köln, Kath. Stadtdekanat Köln, Evangelischer Kirchenverband Köln und Region


KulturstiftungDombau Verein